Regierungserklrung von Bundeskanzlerin Merkel zum G8-Gipfel im Juli

02.07.2009
Stenografische Mitschrift des Deutschen Bundestages
Herr Prsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
 
Der diesjhrige G8-Gipfel in LAquila findet in der nchsten Woche statt und steht im Zeichen der grten globalen Wirtschaftskrise der Nachkriegsgeschichte. Die Weltwirtschaft wird in diesem Jahr nach OECD-Schtzungen um 2,2 Prozent schrumpfen und der Welthandel um sage und schreibe 16 Prozent einbrechen. Deutschland als exportorientierte Volkswirtschaft  zur Erinnerung: 40 Prozent unseres Bruttoinlandsprodukts hngen am Export  ist davon besonders betroffen. Unser Exportberschuss wird in diesem Jahr schtzungsweise um ber 100 Milliarden Euro zurckgehen.
 
Die Krise hat viele Regierungen zu auergewhnlichen Manahmen gezwungen. Auch die Bundesregierung, der Deutsche Bundestag und der Bundesrat haben entschlossen gehandelt: mit umfangreichen Manahmepaketen zur Stabilisierung des Bankensektors  erst gestern haben wir einen wichtigen Schritt zur Schaffung der sogenannten Bad Banks unternommen  und mit Konjunkturpaketen in einer historisch einmaligen Grenordnung von ber 80 Milliarden Euro. Bercksichtigt man auch die Wirkung der automatischen Stabilisatoren, so gehrt Deutschland weltweit zu den Lndern, die die strksten konjunkturellen Impulse gesetzt haben. Dies hat sich auch in den Statistiken des IWF niedergeschlagen. Wir knnen wirklich sagen, dass wir unseren Beitrag zur Bekmpfung dieser Krise leisten.
 
Wir haben im internationalen Rahmen eine klare Verpflichtung fr eine neue Finanzmarktverfassung auf den Weg gebracht. All diese Manahmen haben wir natrlich in enger Abstimmung mit unseren wichtigsten Partnern durchgesetzt.
 
Die G 8 sind einmal in einer Krise entstanden. Die wichtigsten Industrielnder haben sich zusammengeschlossen, um ein Forum zu schaffen, auf dem ber die Zukunft der Weltwirtschaft gesprochen werden kann. Der Gipfel in LAquila wird deutlich machen, dass das G8-Format nicht mehr ausreicht. Wir werden dort sozusagen einen Vorbereitungstag als G 8 haben und dann an den beiden anderen Tagen mit den sogenannten G 5  den Schwellenlndern Brasilien, China, Indien, Mexiko und Sdafrika  sprechen, uns im Kreis der wichtigsten Wirtschaften treffen, um ber den Klimaschutz zu sprechen, und afrikanische Lnder einladen, um mit ihnen ber die Zukunft des Kontinents zu reden. Man sieht: Die Welt wchst zusammen. Die Probleme, vor denen wir stehen, knnen von den Industriestaaten nicht mehr allein gelst werden.
 
Auf dem Gipfel werden wir uns mit der Bewltigung der Wirtschafts- und Finanzkrise beschftigen. Die Gipfel von Washington und London im G20-Format waren erste wichtige Schritte in diese Richtung. Jetzt geht es darum, diese Manahmen auch umzusetzen. Wir beobachten  der Bundesfinanzminister hat schon darauf hingewiesen , dass die Banken in dem Moment, wo sie eine gewisse Erholung spren, sofort Abwehrreflexe gegen die Durchsetzung weiterer Regulierung zeigen. Ich sage: Wir werden  dazu gibt es hier einen breiten Konsens  darauf beharren, dass wir wirklich eine neue Verfassung fr die internationalen Finanzmrkte bekommen, damit sich eine solche Krise nie wiederholt.
 
Als wir whrend unserer G8-Prsidentschaft den G8-Gipfel in Heiligendamm ausgerichtet haben, haben wir die bittere Erfahrung gemacht, dass keinerlei Bereitschaft dazu da war, eine Regulierung der Finanzmrkte, zum Beispiel bei den Hedgefonds, durchzusetzen. Keine zwei Jahre spter  im Grunde ein Jahr spter; da fing das alles in massiver Weise an  hat sich herausgestellt, dass dies ein groer Fehler war. Wir knnen uns deshalb auch nach der Schaffung einer neuen Finanzmarktverfassung kein Erlahmen der Anstrengungen und keine Rckkehr zu Business as usual leisten.
 
Ich bin der tiefen berzeugung, dass wir die Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft weltweit verankern mssen; denn es geht nicht nur um eine Regulierung einzelner Produkte und um eine bessere Aufsicht, sondern es geht um die grundstzliche Herangehensweise. Es geht um die Frage, was die Aufgabe des Staates ist. In der sozialen Marktwirtschaft ist die Aufgabe des Staates, Hter der sozialen Ordnung zu sein, Hter der gesellschaftlichen Ordnung zu sein. Genau dies muss umgesetzt werden. Das geht nicht mehr in einem Land allein, das geht nicht mehr in der Europischen Union allein, das muss international geschehen, und dem darf sich keiner entziehen.
 
Wir werden manchmal dafr gescholten, dass wir dies immer wieder in den Mittelpunkt stellen. Ich will an dieser Stelle noch einmal daran erinnern, dass die Entwicklung der sozialen Marktwirtschaft zurckgeht auf die Lehren aus der ersten Weltwirtschaftskrise, die Ende der 20er-Jahre, Anfang der 30er-Jahre herrschte. Hier waren die europischen Schlussfolgerungen gerade das, was uns zur sozialen Marktwirtschaft gefhrt hat. Es geht genau um die Rolle des Staates: Er muss fairen Wettbewerb garantieren. Wir sollten deshalb, glaube ich, an einer Charta der nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung arbeiten, in der wir solche Prinzipien zugrunde legen. Wir sollten dies im September auf dem G20-Gipfel in Pittsburgh ein Stck weiterbringen.
 
Einige der Hausaufgaben, die sich aus den Londoner Verpflichtungen ergeben, haben wir bereits gemacht. Dazu gehrt die Schaffung einer europischen Finanzaufsicht; die Grundsatzbeschlsse dafr haben wir beim letzten Rat getroffen. Die Vereinigten Staaten von Amerika haben ebensolche Vorschlge fr eine bessere Regulierung gemacht. Es kommt jetzt darauf an, dass die Aufsichtsbehrden, die es zum Beispiel in den Vereinigten Staaten von Amerika und in der Europischen Union geben wird, an die Banken nicht wieder unterschiedliche Kriterien anlegen. Diese Kriterien mssen gleich sein, damit wir ein vernnftiges Feld bekommen, auf dem ein fairer Wettbewerb stattfinden kann. Eine Aufgabe wird also die internationale Abstimmung sein.
 
Wir werden in LAquila natrlich auch darber sprechen, dass die multilateralen Organisationen wie das Financial Stability Board oder der IWF eine zustzliche Bedeutung bekommen, um bewerten zu knnen, wie sich die einzelnen Regionen aufstellen und ob Kriterien vergleichbar sind; denn die allermeisten groen Finanz-institute arbeiten grenz- und kontinentbergreifend, weshalb sie nach einheitlichen Mastben gefhrt werden mssen.
 
Wir werden ebenfalls darber sprechen mssen, wie wir nach der Krise vorangehen. Eines ist klar: Die hohen Risiken, die eingegangen wurden, um nicht nachhaltiges Wachstum zu frdern, waren die Ursachen dieser Krise. Es ist richtig, dass wir die Krise jetzt bekmpfen. Das wird auch noch eine ganze Weile so anhalten. Aber wir mssen international auch vereinbaren, wie wir weiter fr nachhaltiges Wachstum arbeiten, wenn wir den Stand der Wirtschaftsentwicklung aus der Zeit vor der Krise, also 2007, 2008, wieder erreicht haben.
 
Mit dem Beschluss ber die Schuldenbremse haben wir in Deutschland einen ganz wesentlichen Eckpunkt gesetzt, der auch von der OECD ausdrcklich gewrdigt wird. Wir sind aber weit und breit das einzige Land  das muss ich so sagen , das eine solche Art von Selbstbindung getroffen hat, um nach der Mitte des nchsten Jahrzehnts einen ganz klaren und nachhaltigen Wachstumspfad zu begehen.
 
Deshalb ist es wichtig, dass wir einerseits schnell aus der Krise herauskommen, Herr Oppermann, und andererseits wieder eine nachhaltige Entwicklung erreichen.
 
Ein Punkt, durch den der weltwirtschaftliche Erholungsprozess erheblich beeinflusst werden kann, ist die Gefahr von protektionistischen Manahmen. Wir mssen hier sehr aufpassen. Es gibt eine allgemeine Verpflichtung aller Teilnehmerstaaten des Londoner Gipfels, keinen Protektionismus zuzulassen. Aber es gibt eben Klauseln, die hier und da diese Gefahr in sich bergen. Ob es nun Buy American oder Buy Chinese ist: Wir mssen hierauf ein klares Augenmerk legen.
 
In den Verhandlungen auf dem G8Gipfel werden wir uns noch einmal der Vollendung der Doha-Runde zuwenden. Nach fast vier Jahren, die ich jetzt Bundeskanzlerin bin, mag man gar nicht mehr von dem immer gleichen Projekt sprechen; aber es bleibt so dringlich, wie es vor einigen Jahren war. Es muss ein Fortschritt bei dieser Doha-Runde erreicht werden.
 
Ich sehe, dass die neue amerikanische Administration hier sehr viel offener ist. Ich hoffe, dass Indien nach der Wahl und andere Lnder ebenfalls die Bereitschaft zu mehr Offenheit aufbringen.
 
Ich denke, dass wir durch die Vielzahl von internationalen Konferenzen in diesem Jahr sptestens im nchsten Jahr auch Klarheit ber die Zukunft der verschiedenen Tagungsformate haben werden. Wir haben jetzt die G 20, die G 8 und die G 5 sowie die Major Economies, wie es so schn heit, im Klimaschutz. Ich denke, dass G 20 das Format sein sollte, das wie ein berwlbendes Dach die Zukunft bestimmt. Hier gibt es eine gewisse Reprsentativitt zumindest der wirtschaftlich starken Lnder.
 
Um zu einer wirklichen Akzeptanz zu kommen, wird es aber darauf ankommen, dass man weltweit eine enge Verbindung zu den regionalen Wirtschaftsorganisationen hlt  sowohl zur Afrikanischen Union als auch zur NAFTA, zu den lateinamerikanischen Organisationen und zu den asiatischen Zusammenschlssen , um nicht einzelne Lnder auszugrenzen. Das Format G 8 wird genutzt werden, um Vorbesprechungen durchzufhren. Die eigentlich relevanten, globalen Beschlsse werden nach meiner berzeugung dann innerhalb eines greren Formats gefllt werden.
 
Der zweite wichtige Punkt in LAquila wird das Klima sein. Am Ende des Jahres findet in Kopenhagen eine weltweite Klimakonferenz statt, auf der ein Nachfolgeabkommen fr Kioto verabschiedet werden soll, das heit ein Abkommen fr die Zeit nach 2012 bis mindestens zur Mitte des Jahrhunderts. Deshalb ist es gut, dass der neue amerikanische Prsident, Barack Obama, das Format der Treffen der groen Wirtschaften weiterfhrt und dass wir in LAquila die Verhandlungen in Kopenhagen vorbereiten knnen. Die dnischen Gastgeber werden zu diesem Tagesordnungspunkt nach LAquila kommen. Wir sehen eine bestimmte Bewegung, die uns zuversichtlich macht, dass wir im Dezember zu Ergebnissen kommen.

Ganz konkret meine ich damit die Gesetze, die in der letzten Woche im amerikanischen Abgeordnetenhaus verabschiedet wurden. Sie stellen zwar eine Trendwende dar, bringen uns aber nicht automatisch zu dem Ziel, das wir bis 2050 erreichen wollen. Deshalb wird es wichtig sein, dass sich in den Dokumenten von LAquila noch einmal ein ganz klares Bekenntnis zu dem 2Grad-Ziel findet. Dass diese Gesetze eine Trendwende bedeuten, wird klar, wenn man sich einmal vor Augen fhrt, was in den Vereinigten Staaten von Amerika bis jetzt hart erkmpft werden musste. In Heiligendamm waren wir froh, als festgeschrieben wurde, dass wir ernsthaft betrachten wollen, ob wir eine Halbierung der CO2-Emis-sionen bis 2050 zustande bringen. In LAquila werden wir ein deutliches Bekenntnis zu dem 2-Grad-Ziel  dem Ziel, dass sich die weltweite Temperatur um nicht mehr als 2 Grad erhht  formulieren.
 
 Bis 2050 selbstverstndlich.
 
Wir werden auerdem  darin liegt das eigentliche Arbeitsfeld bis Dezember  um mittelfristige Ziele ringen mssen. Die Vereinigten Staaten von Amerika haben mit diesem Gesetz das mittelfristige Ziel von 17 Prozent Reduktion, bezogen auf den Zeitraum von 2005 bis 2020, beschlossen. Darin kommt natrlich zum Ausdruck, dass die Vereinigten Staaten zwischen 1990 und 2005 diesbezglich nichts gemacht haben. Ich glaube, wir sollten die Diskussion ermutigend fhren, weil wir das Ziel ohne die Vereinigten Staaten von Amerika nicht erreichen knnen. Deshalb spreche ich von einer Trendwende.
 
Immerhin ist in diesem Gesetz ein CO2-Zertifikate-Regime vereinbart worden, wonach in Zukunft 85 Pro-zent der CO2-Emissionen einer Zertifizierungspflicht unterliegen. Das ist sehr ambitioniert. Nach den Diskussionen, die wir hier gefhrt haben, kann sich jeder vorstellen, dass die Erreichung dieses Ziels  auch mit Blick auf den Senat  nicht ganz einfach sein wird.
 
Ich will dennoch sagen: Europa hat eindeutig die Fhrung. Wir wollen, bezogen auf 1990, sehr viel deutlichere Reduktionsziele erreichen. Mit diesem Fhrungsanspruch werden wir auch weiterhin diejenigen sein, die ermutigen, antreiben und gemeinsam mit den Vereinigten Staaten von Amerika die Schwellenlnder in diese Debatte einbeziehen.
Selbst wenn wir unsere CO2-Emissionen bis 2050 nicht nur um 80 Prozent reduzieren  wie Deutschland und Amerika es wollen , sondern um 100 Prozent, wre es bei dem jetzigen Anstieg der Emissionen nicht mehr mglich, das 2-Grad-Ziel ohne die Schwellenlnder zu erreichen. Das wird Gegenstand der Diskussionen sein, die wir mit unseren Partnern in Indien, China und in anderen Schwellenlndern fhren mssen.
 
Ein weiteres Thema wird die Entwicklungshilfe sein. Diesbezglich gibt es vielfache Versprechungen und Verpflichtungen, die wir bernommen haben. Deutschland ist inzwischen der zweitgrte Zahler von Entwicklungshilfe weltweit. Das kann sich wirklich sehen lassen. Wir haben unsere Entwicklungshilfeleistungen in der Krise bewusst nicht reduziert, sondern wir haben das Gegenteil getan. Wir sind der Meinung, dass wir diesen Pfad weitergehen mssen.
 
Ich sage das nicht nur mit Blick darauf, dass viele Menschen in den Entwicklungslndern viel hrter von der Krise betroffen sind als wir, sondern auch mit Blick auf unsere Situation als Exportnation, die ein massives Interesse an einer guten Entwicklung, zum Beispiel des afrikanischen Kontinents, hat. Afrika hatte ber die letzten Jahre ein konstantes Wachstum von 5 Prozent. Dort sind neue Mrkte zu erschlieen. Wenn dies nicht mehr stattfindet, wenn das gesamte Kapital abgezogen wird, dann geht es nicht nur den afrikanischen Lndern schlechter, sondern dann fehlen auch uns Exportmglichkeiten.
 
Wer sich einmal mit Flchtlingsfragen  auch im Hinblick auf den afrikanischen Kontinent  befasst, wer sieht, was im Sden Europas, was auf dem Mittelmeer los ist, welche Arbeit die europische Agentur FRONTEX da zu leisten hat, der wei, dass wir hier bei uns ein Riesenproblem bekommen werden, wenn wir nicht fr vernnftige Lebensbedingungen vor Ort sorgen. Auch deshalb ist Entwicklungshilfe wichtig.
 
Wenn wir uns mit den afrikanischen Regierungschefs treffen, wird die Ernhrungssicherung ein besonderer Schwerpunkt sein. Jedem sechsten Brger auf der Welt fehlt es an ausreichender Nahrung. Deshalb ist dieser Punkt von groer Bedeutung. Deutschland hat sich an dem globalen Partnerschaftsprogramm fr Ernhrung kraftvoll beteiligt, und wir werden auch dafr einstehen, dass dieses Programm weiterentwickelt wird. Ich sage: In der jetzigen Zeit darf es hier keine Krzungen geben, sondern wir mssen diese Lnder ganz entschieden untersttzen.
 
Am ersten Abend des Gipfels in LAquila werden wir uns mit den auen- und sicherheitspolitischen Fragen beschftigen, dies dann noch einmal zusammen mit den G-5-Lndern. Hier steht das Thema Iran im Zentrum der Diskussion. Wir sind Zeugen brisanter und vor allen Dingen erschreckender Ereignisse geworden. Ich hoffe, dass von dem Treffen die starke Botschaft der Geschlossenheit ausgeht, dass Demonstrations-, Brger- und Menschenrechte unteilbar sind und auch fr den Iran gelten, dass unsere Gedanken bei den Menschen sind, die jetzt verhaftet werden  es werden tglich mehr , und dass wir auch alles daransetzen werden, diese Menschen nicht aus den Augen zu verlieren.
 
Ich wei noch aus der Zeit der DDR, wie wichtig es war, dass sich Menschen auf der Welt darum gekmmert haben, wer in Bautzen oder Hohenschnhausen sitzt, und dass man bestimmte Dinge nicht vergessen hat. Der Iran muss wissen: Gerade in den Zeiten moderner Kommunikationsmittel werden wir alles daransetzen, diese Menschen nicht aus den Augen zu verlieren und ihnen so, wie wir knnen, zu helfen.
 
Die Fhrung im Iran muss wissen: Wenn sie einen vernnftigen Weg geht, dann wollen wir, dass der Iran eine gedeihliche Entwicklung nimmt. Das gilt auch fr unseren Ansatz im Nuklearprogramm. Aber wenn das nicht der Fall ist, dann werden wir uns auch nicht scheuen, unsere Meinung zu sagen und auch mit denen solidarisch zu sein, die wie die Angehrigen der britischen Botschaft jetzt einzeln unter Druck gesetzt werden sollen.
 
Natrlich bleibt das Thema Nuklearpolitik auf der Tagesordnung. Ich habe mit dem amerikanischen Prsidenten Barack Obama letzte Woche ausfhrlich darber gesprochen und untersttze noch einmal ausdrcklich das Angebot von Prsident Obama zu Direktgesprchen mit dem Iran. Wir werden das flankieren. Wir werden sehr einig an die Sache herangehen.
 
Wir knnen nicht zulassen  weil die Situation im Iran so ist, wie sie ist , dass wir uns um das Thema nukleare Bewaffnung des Iran nicht mehr kmmern. Das wre ganz falsch, und deshalb mssen wir hier einen international abgestimmten Weg gehen.
 
Prsident Obama wird vor dem G-8-Gipfel zu einem ausfhrlichen Besuch nach Moskau reisen. Ich wnsche mir, dass dies ein erfolgreicher Besuch wird. Denn wir wollen als Bundesregierung, aber auch als Deutscher Bundestag eine enge Partnerschaft mit Russland. Wir wollen, dass Russland auch in smtlichen internationalen Konfliktfllen  von Iran ber Afghanistan bis zu der Frage Nordkorea  mit uns zusammenarbeitet.
 
Ein wichtiger Punkt der Gesprche wird die Abrstung und Rstungskontrolle sein: Abrstung im konventionellen Bereich und Rstungskontrolle im umfassenden Sinne. Ich glaube, dass es richtig ist, dass wir auch auf dem G-8-Gipfel noch einmal darber sprechen, dass der Nichtverbreitungsvertrag im nchsten Jahr wirklich gestrkt wird. Denn der Kampf gegen Proliferation im nuklearen Bereich ist eine der ganz groen He-rausforderungen.
 
Wir werden in LAquila auch ber Afghanistan sprechen. Unsere Trauer um die in der vergangenen Woche gefallenen Soldaten eint uns in diesem Hause. Sie hat uns erneut vor Augen gefhrt, dass wir hier weiterhin vor groen, schwierigen und gefhrlichen Herausforderungen stehen.
 
Aber ich sage auch: Ziel und Strategie des Einsatzes der NATO und unseres zivilen Engagements sind ohne vernnftige Alternative. Wir haben nach meiner berzeugung mit der vernetzten Sicherheit den richtigen Ansatz. Wir haben auf dem NATO-Gipfel in Baden-Baden und Straburg darber eine internationale und gemeinsame Haltung in der NATO gefunden. Wir haben das Ziel, dass in Afghanistan die Streitkrfte und die Polizeikrfte die Sicherheit des Landes selber garantieren knnen. Das geht heute noch nicht. Dazu bedarf es der internationalen Hilfe. Wir sind mit Einverstndnis der afghanischen Regierung in Afghanistan
 
 ich will das noch einmal betonen , und wir werden vor dieser Aufgabe nicht weglaufen, sondern wir werden sie Schritt fr Schritt erfllen.
 
Neben allem, was uns bedrckt, knnen wir sagen, dass es Fortschritte gibt. Im August wird zum zweiten Mal ein Prsident in Afghanistan gewhlt. Ich hoffe, dass diese Wahl zu einer Strkung der Demokratie in Afghanistan fhren wird.
 
Groe Sorgen bereitet uns natrlich  auch darber wird in LAquila gesprochen werden  die Situation in Pakistan. Ohne eine vernnftige Entwicklung Pakistans wird es in Afghanistan nicht zu einer Beruhigung kommen. Diese beiden Lnder hngen, obwohl sie ganz unterschiedlich sind, auf das Engste miteinander zusammen. Die Europische Union hatte mit dem pakistanischen Prsidenten  der Bundesauenminister und ich haben das noch einmal auf bilateraler Ebene getan  gesprochen. Es ist unbersehbar, dass die Aufgaben riesig sind und deshalb eine internationale Strategie dringend notwendig ist, die deutlich macht, wie wir mit Pakistan umgehen.
 
Der letzte Punkt wird der Nahostfriedensprozess sein. Hier sind wichtige Anregungen durch die Kairoer Rede von Prsident Obama sowie die Aktivitten des Beauftragten Mitchell und des Nahostquartetts in der Region gegeben worden. Ich glaube, es ist jetzt wichtig, dass alle Seiten Zugestndnisse machen. Dazu gehren die Fragen des Siedlungsbaus. Es muss nach meiner festen berzeugung hier einen Stopp geben. Ansonsten werden wir nicht zu einer Zweistaatenlsung kommen, die wir dringend brauchen: zu einem jdischen Staat Israel und einem palstinensischen Staat, der in Sicherheit leben kann.
 
Der G-8-Gipfel wird eine Zwischenetappe im Hinblick auf das G-20-Gipfeltreffen in Pittsburgh im September und die Kopenhagen-Konferenz im Dezember sein. Ich habe das am Anfang dieses Jahres gesagt, und ich sage das jetzt wieder: Aufgrund der Probleme, die wir haben, aufgrund des Zeitplans, den wir in Bezug auf das Klimaabkommen haben, und durch die Tatsache, dass wir eine neue amerikanische Administration haben, die viele Themen neu und anders angeht, wird dies ein entscheidendes Jahr fr die Frage sein, ob die Welt am Ende dieses Jahres glaubt, dass wir global zusammenarbeiten knnen, dass Politik die Globalisierung gestalten will, oder ob wir eher Enttuschung zurcklassen. Ich darf Ihnen sagen: Die ganze Bundesregierung und auch ich persnlich werden uns mit aller Kraft dafr einsetzen, dass dies ein erfolgreiches Jahr ist, damit Politik insgesamt den Anspruch erheben kann, dass die Globalisierung menschlich gestaltet wird.
 
 Sie sollten lieber Ihren Beitrag zu all dem leisten, Herr Trittin.
 
Der Gipfel findet in LAquila statt, weil die Region von einem schrecklichen Erdbeben erschttert wurde. Es ist inzwischen ein Ort des Wiederaufbaus und der Zuversicht. Wir wollen gerade an diesem Ort gute Ergebnisse erzielen. Ich will in diesem Zusammenhang noch einmal darauf hinweisen, dass Deutschland beim Wiederaufbau in diesem Erdbebengebiet hilft, auch in der Stadt Onna, in der am 11. Juni 1944 die Wehrmacht 17 unschuldige Zivilisten umgebracht hat. Nichts deutet besser darauf hin, wie sich die Zeiten gendert haben, als die Tatsache, dass Deutschland jetzt hilft, diesen Ort wiederaufzubauen, auch die zerstrte Kirche. 90 Prozent der Gebude dort sind zerstrt. Jede Familie hat ein Opfer zu beklagen. Ich glaube, wir zeigen damit die Solidaritt, die heute auf der Welt notwendig ist, damit wir alle besser leben knnen.
 
Herzlichen Dank.